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| ---18.05. 2012--- | Seite empfehlen | zu Favoriten | Newsletter |
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Kurzweilige und spannende Bücher
Qiu Xiaolong: Tod einer roten Heldin
Aus irgendeinem abgelegenen Kanal wird durch Zufall die Leiche einer jungen Frau gefischt. Mit der Lösung des Falls wird der noch unerfahrene Oberinspektor Chen betraut. Nachdem die Ermittlungen zunächst sehr schleppend verlaufen, gelingt es Chen und seinem Kollegen schließlich doch, trotz widrigster Arbeitsbedingungen dem Täter Stück für Stück auf die Spur zu kommen.
Vom Kriminalfall her betrachtet, hat "Tod einer roten Heldin" von Qiu Xiaolong sicher nicht viel zu bieten und so werden diejenigen, die beim Krimi komplexe Verstrickungen, vertrackte Rätsel oder gar beim Lesen die Gänsehaut ihren Rücken rauf und runter kribbeln spüren wollen, nicht auf ihre Kosten kommen. Der Mord, als schwerstes Kapitalverbrechen überhaupt, dient der Geschichte lediglich als Aufhänger, um beispielhaft ein kleines Stück China im Wandel von der kommunistischen zur marktorientierten Gesellschaft zu schildern: Und das ist allemal die Lektüre dieses aufschlussreichen Romans wert. Denn im China der 90er Jahre prallen die Gegensätze hart aufeinander. Es gibt Gewinner, die in kürzester Zeit Reichtümer anhäufen, und es gibt Verlierer, die vom System auf's Abstellgleis geschoben werden. Und das müssen nicht immer die Arbeitssklaven in den Fabriken oder die um ihr nacktes Dasein schuftenden Wanderarbeiter sein. Dann gibt es aber auch noch die, die irgendwo dazwischen liegen - und in diesem Milieu spielt der Roman. Ihr Leben in den noch immer allgegenwärtigen, alten kommunistischen Hierarchien steckt voller Widrigkeiten, die beim täglichen Einkauf beginnen und sich bis zur Wahl des Ehepartners oder des Berufs ziehen. Doch die kleinen Leute meistern es mit einer Engelsgeduld und einem beinahe kindlich anmutenden Glauben an eine bessere Zukunft, die echte Sympathien weckt. Liebevoll und mit viel Wärme bilden die Erzählungen von den vielen kleinen Schicksalen den Kern dieses Buches. Doch über allem steht weiterhin das System - und gleich dem großen Bruder kann man sich auch im chinesischen Alltag dem Einfluss der mächtigen Partei nicht entziehen. So spiegelt auch die Auflösung des Mordes die ideologische Zerrissenheit des modernen China wider, wo es am Ende, ganz gleich, wie es ausgeht, doch nur eine Wahrheit gibt: die der Partei. "Tod einer roten Heldin" handelt zwar viel von Politik, ist jedoch glücklicherweise kein reiner politischer Krimi. Anhand eines winzig kleinen Ausschnitts einer - schon zahlenmäßig - mächtigen Landes bringt dieser Roman auch dem bislang Desinteressierten viel von den Eigenheiten einer Gesellschaft näher, an der künftig wohl niemand mehr vorbeikommen wird.
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