---18.05. 2012---
Kurzweilige und spannende Bücher
Walter Moers: Die Stadt der träumenden Bücher
Hildegunst von Mythenmetz ist der berühmteste Versenschmied Zamoniens. Doch woher bezieht er seine schöpferische Kraft? Welches sind die Quellen seines einzigartigen dichterischen Genies? Es muss Schlüsselerlebnisse für den jungen Hildegunst gegeben haben, die ihn die Masse talentierter Großechsen der Lindwurmfeste, der Brutstätte vieler herausragender Schriftsteller, so ruhmreich überstrahlen lassen. - Und es gibt sie tatsächlich, denn von seinem Dichtpaten bekommt Mythenmetz ein Manuskript geschenkt, das so perfekt ist, dass es alle Gefühlsregungen gleichermaßen bewegt. Von da an hat er nur noch ein Ziel vor Augen, nämlich herauszubekommen, wer dieses Stück ideale Literatur geschaffen hat.

Seine Suche führt den jungen Hildegunst in die Stadt der träumenden Bücher, dem Mekka für alle Schriftsteller, Verleger, Bücherwürmer und alle, die dem geschriebenen Wort auf die eine oder andere Weise huldigen. Seine Suche führt ihn tief hinein in die unterirdischen Eingeweide und Geheimnisse der Stadt, wo er lebenden Büchern, todbringenden Büchern, Bücherjägern, Buchlingen und vielen weiteren phantastischen und größtenteils schauerlichen Kreaturen begegnet.

Witzig und geistreich nimmt Walter Moers mit seinem Roman "Die Stadt der träumenden Bücher" den Literaturbetrieb auf die Schippe. Süffisant und mit dem altbewährten Mittel der maßlosen Übertreibung, das ja auch immer mehr Bereiche der modernen Kommunikationsgesellschaft auf der krampfhaften Suche nach Aufmerksamkeit durchzieht, entlarvt er die kritiklose Ehrfurcht, die noch viele angesichts des geschriebenen Wortes befällt, und die Eitelkeit der Schreiberlinge, die viel zu oft an ihrem öffentlich zur Schau getragenen Anspruch vorbeidichten.

Dabei verliebt sich Moers jedoch selbst gern in seine eigene Ideen und mutet so dem aufmerksamen Leser leider die ein oder andere Länge und pseudophilosophischen Diskurs zu, die das Lesevergnügen doch ein wenig trüben. Wer jedoch nicht genug von den skurrilen Geschichten aus Zamonien bekommen kann und dafür auch gern mal über ein paar kleine Schwächen hinwegliest, findet mit "Die Stadt der träumenden Bücher" eine faszinierende Geschichte, die den Leser noch ein Stück tiefer in die einzigartige Phantasiewelt Zamonien eindringen lässt.

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