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Die Fantasy-Romane sind vom Thema und ihrem ganz eigenen Humor außergewöhnlich. Man muss sie nicht alle gelesen haben, doch Rumo und den Kaptain Blaubär sollte jeder, der dieses Genre mag, mal in Händen gehalten haben.

---05.02. 2012--- zu Favoriten |  Seite empfehlen |  Newsletter
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Geschichten aus Zamonien von Walter Moers

Walter Moers Romane Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär, Rumo und die Wunder im Dunkeln, Die Stadt der träumenden Bücher und Ensel und Krete spielen in Zamonien, Moers ganz eigener Mittelerde. Doch während die Helden beim Herrn der Ringe ihr Leben im Kampf gegen das Böse lassen, sich um der Freundschaft willen aufopfern oder die Bürde der Verantwortung tragen, verfolgen die zamonischen Figuren keine derart hehren Ziele. Sie werden schlicht und einfach durch eine unterhaltsame Serie aberwitziger Abenteuer geschubst.

Dazu bedient sich Moers gnadenlos aus dem Repertoire von Film und Literatur und kitzelt dabei die Phantasie des Lesers bis zur Schmerzgrenze. Das Strickmuster ist bei allen genannten Werken ähnlich: Die Helden werden aus ihrem gewohnten Leben herausgerissen und vor die Füße eines Panoptikums abstrusester Gestalten und Charaktere geworfen. Sie erleben die skurrilsten Abenteuer, bis sie schließlich, um ein gutes Stück zamonischer Lebenserfahrung reicher, ein vollwertiger Teil dieser Fabelwelt werden. Anspielungen auf den klassischen deutschen Bildungsroman à la Wilhelm Meister sind garantiert nicht zufällig.

Auch die Erzählweise folgt in allen Romanen demselben Muster. Immer wenn man glaubt, abgefahrener könne es nicht mehr werden, dann setzt Moers noch mal einen oben drauf. Und er drückt mächtig auf's Tempo. Zeit zum Verschnaufen gibt es selten. Wie im Sog eines gigantischen Strudels werden seine Helden von Abenteuer zu Abenteuer gespült und es fällt wirklich schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Walter Moers folgt in allen Zamonien Romanen konsequent diesem ganz eigenen Erzählstil. Das führt leider irgendwann einmal zur Übersättigung, weswegen wahrscheinlich nur ausgewiesene Fans an allen Bücher gleichermaßen Gefallen finden. Zwei der Werke sollte man jedoch auf jeden Fall gelesen haben: Rumo und die Wunder im Dunkeln und Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär.

Rumo handelt von dem gleichnamigen Wolpertinger - in Zamonien wolfsartige Fabelwesen mit schier unglaublichen kämpferischen Fähigkeiten, die bis zu drei Meter groß werden können - der in frühester Jugend von seinen Zieheltern getrennt wird und nun auf der Suche nach seinem Volk und seiner großen Liebe eine autobahnbreite Blutspur durch Zamonien zieht. Nein, Rumo ist kein böser Charakter. Er ist einfach nur ein Einfaltspinsel, der auf seiner Wanderschaft böse Buben und brenzlige Situationen wie magisch anzieht. Dazu hat ihn die zamonische Genetik mit ungeheuerlichen Kampfeigenschaften ausgerüstet, mit Hilfe derer er sich in bester Computerspiel-Manier von Abenteuer zu Abenteuer - oder von Level zu Level - metzelt.

Ob Rumo nun die geeignete Lektüre für Kinder ist, mag jeder für sich entscheiden. Doch gerade weil die Kampfszenen derart überzogen beschrieben sind, verlieren sie so gut wie alles von ihrem Schrecken. Einzig die Episode mit der subkutanen Todesschwadron könnte empfindsamen Gemütern an die Nieren gehen. Wer jedoch lesefaule Teenager an Bücher heranführen möchte, der hat mit Rumo beste Chancen (mehr Infos zu Rumo!).

Mindestens genau so komisch, dafür aber gänzlich unblutig geht es beim Käpt'n Blaubär zur Sache. Dort treten die Gladiatoren nicht mit Schwertern gegeneinander an sondern mit Geschichten. Auch der Blaubär ist ein Einfaltspinsel allererster Güte und auch er wurde früh von seinen Zieheltern getrennt. Und auch er erlebt auf seiner Reise durch Zamonien die merkwürdigsten Abenteuer. Doch im Gegensatz zu Rumo befreit sich der Blaubär aus brenzligen Situationen nicht mit körperlicher Gewalt sondern mit Hilfe seines sagenhaften Glücks und Anpassungsvermögens - und seines im Gehirn gespeicherten Lexikons, das allerdings, einem Orakel gleich, mit der ganzen Wahrheit erst dann herausrückt, wenn es bereits zu spät ist.

Wer in Büchern die ganz großen Gefühle sucht oder mit dem Lesen ein bestimmtes Maß an Ernst und Würde verbindet, der wird an den Geschichten aus Zamonien keinen Gefallen finden. Die Romane sind intelligent geschrieben, komisch bis zur Schmerzgrenze und an den Leser gerichtet, der wirklich mal abschalten möchte. Es wird alles und jeder gnadenlos auf die Schippe genommen und wer auch nur eine Sekunde lang irgendetwas von dem, was geschrieben ist, ernst nimmt, hat das Klassenziel nicht erreicht.

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